Österreichische Unternehmen setzen bei gesunden Arbeitsplätzen auf Mitarbeiter/innen
Wichtig bei Maßnahmen für gesunde Arbeitsplätz ist der Einbezug der Mitarbeiter/innen. „Generell liegt Österreich bei der Arbeitnehmer/innenbeteiligung laut ESENER-2 im Spitzenfeld, und zwar sowohl bei Maßnahmen, die im Anschluss an die Arbeitsplatzevaluierung getroffen werden, als auch in Bezug auf Maßnahmen für den Umgang mit arbeitsbedingten psychischen Belastungen“, so Schneider.

Allerdings scheine der Arbeitsschutz im Unternehmen im Verantwortungsbereich einiger weniger Personen zu liegen: im EU-Durchschnitt ist Österreich unter den Ländern, in denen es vergleichsweise wenige regelmäßige Gespräche von Betriebsrat und Geschäftsleitung zu Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes gibt.

Vielerorts fehle zudem das Bewusstsein für Gefährdungen: „Die meisten Unternehmen, welche keine Arbeitsplatzevaluierung durchführen, geben quer durch alle Branchen nach wie vor an, dass es keine Risiken gibt, bzw. dass alles unter Kontrolle ist“, so Schneider. Fazit: „Es muss bewusstseinsbildend gehandelt werden, vor allem bei kleineren Betrieben!“


ESENER-2: Daten aus 50.000 Unternehmen und 36 Ländern
Die ESENER-2-Studie gibt umfassend Aufschluss über den Umgang mit Sicherheits- und Gesundheitsrisiken in europäischen Arbeitsstätten und liefert EU-weit vergleichbare Daten. Befragt wurden im Jahr 2014 nahezu 50.000 Unternehmen aus 36 Ländern – darunter alle EU-Mitgliedstaaten und 1.503 Betriebe aus Österreich. Ein Schwerpunkt der Studie ist der Umgang mit psychosozialen Risiken. Der am 30. März 2016 veröffentlichte „overwiew report“ zeigt nun die Ergebnisse auf einen Blick.


Erkenntnisse aus österreichischer Sicht
Die Ergebnisse der ESENER-2-Studie wurden im Rahmen der Fachtagung mit österreichischen Studien verglichen. Ing. Mag. Christian Schenk, AUVA erläuterte, wie österreichische Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebene Evaluierung in der Praxis handhaben. „Betriebserhebungen und Befragungen der AUVA und der Arbeitsinspektion in Österreich haben ergeben, dass rund 75 % der österreichischen Betriebe die Arbeitsplatzevaluierung durchgeführt und dokumentiert haben. Eine regelmäßige Nachevaluierung und Anpassung der Dokumente erfolgt jedoch nur in rund 61 % der Betriebe“, so Schenk.

Dr. Hubert Eichmann von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt in Wien, FORBA, hob hervor, dass psychische Belastungen, und hier vor allem der Zeitdruck, zunehmen, während Arbeitsunfälle und körperliche Belastungen am Arbeitsplatz tendenziell zurückgehen.

„Psychische Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz werden hinsichtlich des Faktors ‚Aufgaben und Abläufe‘ (Vielseitigkeit, Vollständigkeit, Handlungsspielraum) von Jüngeren kritischer bewertet, hingegen wird das ‚Soziale Umfeld‘ (Kommunikation und Rückhalt) von Älteren kritischer bewertet“, so Mag. Daniel Pairitsch, humanware, Institut für Gesundheit, Sicherheit und Ergonomie im Betrieb in Wien auf Grund des „IMPULS-Test|2®“.


Strategien für Österreich
Was in Österreich getan werden könne, um die Arbeitsplatzevaluierung zu verbessern, wurde in Arbeitsgruppen diskutiert. Grundtenor war, dass die verschiedenen Akteur/innen im ArbeitnehmerInnenschutz auch in Zukunft zusammenarbeiten sollen, um branchenspezifische Lösungen zu erarbeiten und gemeinsame Projekte durchzuführen.