Telefonieren mit Menschen in Not

Sie telefonieren mit Menschen in Not und fühlen sich oft gereizt oder wütend, nachdem Sie sich längere Zeit die Sorgen und Nöte fremder Menschen angehört haben? Ich kann Sie beruhigen: Das ist gesund.

Machen Sie sich bewusst, dass Emotionen hochgradig ansteckend sind. Wenn Sie das Wort schon nicht mehr hören können, dann lesen Sie schnell weiter.

Emotionen übertragen sich also sowohl im direkten Kontakt als auch beim Telefonieren mit Menschen in Not. Unser Gehirn hat sogenannte Spiegelneuronen, die uns dazu befähigen, zu empfinden, was unser Gegenüber empfindet. Das macht evolutionsgeschichtlich auch Sinn, denn es hilft uns, wahrzunehmen was andere brauchen und entsprechend darauf zu reagieren. Als unsere Vorfahren vor rund 250.000 Jahren in kleinen Gruppen zusammenlebten, hat ihnen das geholfen, als Spezies zu überleben.

Wenn man an einem Servicetelefon arbeitet, macht es aber mitunter Mühe. Sie werden den ganzen Tag mit den leidvollen Emotionen der Menschen konfrontiert: Angst, Zorn, Hilflosigkeit, Verzweiflung. Und Ihre Anrufer*innen hoffen, dass Sie sie von ihrem Leid befreien können.

Aber wie befreit man Menschen am Telefon von Leid, wenn man selbst kein Psychotherapeut ist?

Machen Sie sich da keine Sorgen. Was Sie tun, hilft!

  • Durch aufmerksames Zuhören können Menschen ihr Leid ausdrücken. Das tut uns gut!
  • Erfahren wir Empathie und Verständnis durch einen anderen Menschen, tut uns das ebenfalls gut.

Sie sehen, Sie müssen gar nicht viel tun! Achtsames Zuhören und Verständnis zeigen. Damit machen Sie für den Menschen, mit dem Sie gerade sprechen, einen sehr, sehr großen Unterschied!

Wie können Sie sich nun selbst helfen, wenn Sie sich ausgelaugt, gereizt, wütend fühlen?

  • Machen Sie sich bewusst, dass das, was Sie tun, einen großen Unterschied für die Menschen macht, mit denen Sie sprechen. Was Sie tun hilft. Daraus können Sie Sinn ziehen.
  • Machen Sie zwischendurch immer wieder Pausen, um mit sich selbst Kontakt aufzunehmen. Beim Telefonieren neigen wir dazu, mit uns selbst völlig aus dem Kontakt zu kommen. Das verschafft fremden Emotionen Raum in uns und sie nehmen Überhand.
  • Fragen Sie sich immer wieder: Wie fühle ICH mich gerade? Diese Frage löst bewusst oder unbewusst eine Antwort in Ihnen aus, die sie mit sich in Kontakt bringt.
  • Beobachten Sie in Pausen Ihren Atem. Beobachten Sie, wie Sie einatmen und ausatmen, einige Atemzüge lang und konzentrieren Sie sich nur darauf. Es gelingt besser, wenn Sie dabei die Augen schließen. Bewerten Sie Ihren Atem nicht und verändern Sie ihn nicht. Beobachten Sie nur, wie er, ganz von selbst, fließt. Dies ist ein Moment der Ruhe für Ihren Geist und lässt Sie mit sich wieder in Kontakt treten.